Als Hämostase bezeichnet man in der Medizin die Summe aller Prozesse, welche zum Stillstand einer Blutung führen, gleichzeitig aber auch eine überschießende Blutgerinnung verhindern und so der Entstehung von Thrombosen vorbeugen. Die Hämostase lässt sich grob in drei Schritte unterteilen, die nach der Verletzung eines Gefäßes ablaufen. Der erste Schritt ist die Vasokonstriktion (Engstellung der Gefäße), um den Blutfluss und damit auch den Blutverlust zu minimieren. Der so verlangsamte Blutfluss bewirkt die Adhäsion von Thrombozyten an die Gefäßwand und deren Aktivierung. Dies ist der zweite Schritt. Die Thrombozyten, welche sich über den sogenannten van-Willebrand-Faktor vernetzen, sorgen für eine erste dünne Bedeckung der Wunde, wodurch die Blutung initial gestoppt wird. Die quervernetzen Thrombozyten bezeichnet man auch als „weißen Thrombus“. Dieser Prozess dauert circa eine bis drei Minuten. Hier kommt es bereits zu einem Stopp der Blutung. Jedoch ist diese Bedeckung noch sehr fragil und weitere Schritte sind notwendig, um ein erneutes Aufreißen der Wunde zu verhindern. Dies erfolgt durch den dritten Schritt über die Bildung des sogenannten „roten Thrombus“.
Hier existieren zwei Kaskaden, die gemeinsam zur Bildung des roten Thrombus führen. Man unterscheidet grob in einen endogenen und einen exogenen Weg. Beim endogenen Weg erfolgt durch die Thrombozyten eine Aktivierung der Gerinnungsfaktoren IX, XI und XII, welche wiederum das Enzym Thrombin aus Prothrombin aktivieren. Dies ist die gemeinsame Endstrecke der Gerinnung. Beim exogenen Weg erfolgt die Aktivierung über den Tissue Faktor aus den Wänden der Blutgefäße. Der Tissue Faktor aktiviert den Gerinnungsfaktor VII, welcher wiederum das Enzym Thrombin aus Prothrombin (Gerinnungsfaktor II) aktiviert. Thrombin bildet nun aus Fibrinogen (Gerinnungsfaktor I) Fibrin. Das Fibrin vernetzt sich und erzeugt den sogenannten roten Thrombus. Dieser ist deutlich stabiler als der weiße Thrombus. Damit ist die Blutgerinnung abgeschlossen. Diese Kaskade dauert circa sechs bis zehn Minuten. Zur Untersuchung, ob eine Blutungsneigung vorliegt, gibt es verschiedene Testverfahren.
Der einfachste Test ist das Herbeiführen einer kleinen Wunde, zum Beispiel durch einen kleinen Stich in die Fingerbeere des Patienten. So kann die Funktion bzw. das ausreichende Vorhandensein von Thrombozyten unkompliziert überprüft werden, indem die Blutungszeit bestimmt wird. Normalerweise sollte die Blutung nach spätestens zwei bis drei Minuten zum Stillstand kommen. Ein weiterer wichtiger Test ist die Bestimmung des sogenannten Quick-Werts. Hier wird dem Blut Tissue Faktor zugesetzt und die Zeit gemessen, bis es zur Ausbildung von sogenannten Fibrinfäden kommt, also wie lange es dauert, bis Fibrin aus Fibrinogen gebildet wird. Hiermit wird der exogene Pfad getestet. Der Normwert liegt bei 14 – 21 Sekunden. Der dritte Test fokussiert sich auf die partielle Thromboplastinzeit. Er wird genutzt, um die Funktionsfähigkeit der endogenen Gerinnungskaskade zu testen. Bei allen Tests spricht eine Verlängerung für eine Störung der Gerinnungsfähigkeit.